Neue Reprohibitions-Framingwelle am Start

Man glaubt es nicht. Die Exekutivmacht ist offenbar so deprimiert, dass sie nicht mehr in Körperöffnungen leuchten darf, dass jetzt alle Büttel dazu vergattert werden, irgendwelche Tatbestände herzustellen, damit man ja das böse Kiffgras wieder verbieten kann. Evidenz? Drauf geschissen! Wir sind die Polizei. Wir machen Wahrheiten. Und wir sind eure Freunde. Und Helfer. Ja, und alle Katzen sind schön.

Langsam wird es unerträglich. Jeden Tag, jeden verdammten Tag könnte man Artikel wie diesen hier schreiben und man käme trotzdem nicht gegenan, was mit staatlicher Unterstützung an Lügen verbreitet wird. Aber greifen wir exemplarisch mal zwei solcher "Qualitätspostings" der Polizei auf der Plattform "X" heraus, ja?

FALL 1 : GdP Berlin "ABER DIE KINDER!"

Benjamin Jendro

Da sind die unglaublich coolen (Selbstbezeichnung) HAUPTSTADTCOPS, deren Sprecher Benjamin Jendro mit einem feisten Indica-Face darüber lamentiert, wie scheiße nicht die Teillegalisierung (er meint die Teilentkriminialisierung) sei und dass sich nix gebessert habe usw. usf. und er sinniert darüber, dass wir "die Folgen für Kinder und Jugendliche in ein paar Jahren zu spüren bekommen."

Kann jemand dieser Blitzbirne mal näher erläutern, dass für "Kinder und Jugendliche" sich GAR NIX geändert hat und dass Cannabis für diese Personen genauso illegal ist wie vor dem KCanG?

Er behauptet, "der Schwarzmarkt floriert" - was angesichts der vorliegenden wissenschaftlichen Evidenz eine glatte LÜGE ist (wie immer). Der Schwarzmarkt wird gerade durch Eigenanbau, CAVen und die Lockerung im MedCan Sektor massiv zurückgedrängt. Für alle "Hauptstadtcops": HIER seht ihr die tatsächlichen Zahlen (auch wenn ihr sie nicht sehen wollt!):

EKOCAN1(2025): https://www.fdr.uni-hamburg.de/record/17993/preview/EKOCAN_Zwischenbericht1.pdf
EKOCAN2 (2026): https://fourtwenty.wtf/dl/EKOCAN_Zwischenbericht2_2026.pdf

Natürlich sind die Ergebnisse der Professoren und Doktoranden, die solche Studien erstellen, für sattelfeste Polizeifunktionäre nichts als Schall und Rauch, immerhin haben Leute wie Jendro von ihrem Schreibtisch aus den vollen Überblick und können das Volk über die sozialen Medien vor der furchtbaren Gefahr von Cannabis warnen. Wegen der Kinder und so ... na ja, aber sie lügen halt.

Fall 2: Polizei Wuppertal "ABER DER VERKEHR!"

Polizei Wuppertal

Hier wird es mal wieder krass. Und richtig weird. Da ist die Polizei in Wuppertal, die zwar dort keine Herrenboutique eröffnet (Loriot-Fans kennen das!), aber einfach mal Leute kontrolliert, weil: Das muss so, es braucht Statistiken. Und zwar Statistiken, die zum Narrativ passen.

Da fand also "mit Unterstützung weiterer Behörden" (das können die nichtmal alleine?) eine Verkehrskontrolle am Vormittag statt. So weit, so gut. 400 Leute wurden kontrolliert, darunter Scooterfahrer usw. Nach den Polizei-Aussagen waren 2 Leute "alkoholisiert" und 28 waren "unter dem Einfluss von berauschenden Mitteln" im Verkehr unterwegs. Dazu wird das Bild eines Multi-Substzanztests gezeigt.

Wer sich den ganzen Müll antun will, bitte, hier [LINK]

Im Bericht heißt es dann: [Zitat] "Polizeipräsident Röhrl plädiert angesichts dieser erschreckenden Bilanz für härtere Sanktionen und ein generelles Verbot sog. weicher Drogen wie  z. B. Marihuana."[/Zitat]

Was ist da los?

Zuerst mal das Bild: Ein nal von minden Mehrsubstanztest mit verschiedenen Testergebnissen wird gezeigt. Der Test auf dem Bild ist positiv auf Koks, Meth, Amph und negativ für THC. Aber "Marihuana" verbieten. Klar. Voll logisch. So geht saubere Polizeiarbeit: Einfach irgendein Bild nehmen ("Serviervorschlag") und dann rassistisch auf "Marihuana" framen.

Die Überschrift: "Mitten am Tag". Bedeutet was? Klar: "Diese elenden Marihuanakiffer sind voll bedröhnt schon tagsüber unterwegs. GROSSE GEFAHR!" So ungefähr, liebe Polizei? Passt ins NRW-Narrativ.

Im Text: 400 Personen kontrolliert, davon bei 28 (=7%, also 93% waren negativ) mit Teststreifen "auf Drogen" getestet. Es wird erwähnt, dass einige Getestete angaben, AM ABEND ZUVOR Cannabis konsumiert zu haben. Natürlich wissen die Polizisten aus ihrer Anwendungsschulung, dass diese Tests lediglich ABBAUPRODUKTE detektieren und keinen aktiven Wirkstoffgehalt im Blut. Es sei denn, die Polizei hätte ein voll ausgerüstetes Labor und Ärzte dabei, die direkt vor Ort eine Blutuntersuchung vornehmen. Das dürfte wohl nicht der Fall gewesen sein. Also müsste es wohl eher heißen: "...Personen gestoppt, die [unter dem Einfluss] MIT RÜCKSTÄNDEN VON ABBAUPRODUKTEN von berauschenden Mitteln im Verkehr unterwegs waren..." - Wahrscheinlich waren sämtliche Getesteten komplett nüchtern (außer die beiden Trinker vielleicht, wer weiß?). 

A propos: Faszinierend ist, dass zwischen "alkoholisiert" und "unter dem Einfluss von berauschenden Mitteln" textlich unterschieden wird. Bedeutet das, Alkohol ist "nicht berauschend"? Oder wie ist das zu verstehen? Im Grunde steht da: "Nur 2 Leute hatten Alkohol im Atem, aber 28 waren total zugedröhnt, und das sogar am Vormittag!" Das ist es doch, was ihr sagen wollt, nicht wahr?

Der Bürger, der lieber ein oder zwei Feierabendbierchen "genießt" soll sich fürchten vor den bösen, gefährlichen Kiffern, die den gesamten Straßenverkehr gefährden (und natürlich die Kiiiindääär!). Und der deutsche Michel soll wieder nach Verboten schreien, damit die Streifenhörnchen endlich wieder nach Herzenslust Klamotten, Autos und Körperöffnungen durchwühlen können. Dann sind sie wieder wer. Hat ja auch früher so gut geklappt. Wollt ihr die totale Prohibition? Dann gibt es diesen "Schwarzmarkt" und die "Kiffer im Verkehr" nicht mehr. Dann sind die alle plötzlich weg. Wie früher.

Es ist so albern. GFY.