Spoiler: Es geht NICHT gut. Judith Gerlach ist eine deutsche Politikerin und seit dem 8. November 2023 bayerische Staatsministerin für Gesundheit, Pflege und Prävention. Und sie lügt für Söder. Ist das wahre Loyalität und Kaisertreue? Ja, es geht (mal wieder) um Cannabis (Söders Angstgegner Nr. 2). Und Bayern. Eine Geschichte voller Missverständnisse. Und Lügen halt. Oder Inkompetenz. Weiß man nicht genau.
Da ist also diese Frau Gerlach, die im Auftrag des wurstaffinen Sonnenkönigs von Bergdeutschland vermeintliche Wahrheiten verkündet. Diese bezeugen selbstverständlich die unglaubliche Gefährlichkeit des verhassten Verliererkrautes Cannabis (übrigens eng mit Hopfen verwandt). Der wohlgenährte Souverän ist zufrieden und niemand fragt nach.

Worum geht es da eigentlich? Nun, die Frau Gerlach als willfährige Erfüllungsgehilfin des feisten Work-Life-Balance-Teilzeit-Landesvaters hat die Aufgabe, die Horroragenda der bayerischen "Staatsregierung" zum allseits beliebten Schockthema "Aber die Kindäääär!!!1!11!!" zu verkünden (folgt dicht auf "Aber die Grüüünääään !!!1!11!!"). Cannabis muss - ganz im Sinne der Reefer Madness Doktrin des Harry Anslinger - unbedingt verteufelt werden. Schlimmes Zeug, Söder sagt, die Leuts sollen statt zu kiffen lieber ordentlich Weißbier saufen, das verkündete er anlässlich des Jubiläums einer Drogenküche (Brauerei), er sagte [1]:
[Zitat]„Statt kiffen, kiffen, kiffen kann ich nur sagen: lasst Cannabis weg, bleibt beim bayerischen Weißbier. Ist in jeder Beziehung besser und gesünder.“[/Zitat]
Die Verherrlichung von giftigem Alkohol und die Verteufelung völlig ungiftiger Rauschmittel hat in Bayern eine lange Tradition und ist quasi Staatsräson. Dieser folgt natürlich auch die "Gesundheits"ministerin eilfertig und verkündet knallharte Fakten (oder was sie dafür hält). Eine Aussage von Frau Gerlach ist besonders interessant, nämlich diese hier aus einer Pressemitteilung der Staatskanzlei [2]
[Zitat]Gerlach verwies auch auf bedenkliche Entwicklungen beim Cannabis-Konsum. Der Studie zufolge ist bei den 15- und 16-Jährigen im Freistaat der problematische Cannabiskonsum gestiegen. Insgesamt hat sich der entsprechende 12-Monats-Prävalenz unter Konsumierenden (der Anteil der Konsumierenden innerhalb eines Jahres) 2024 im Vergleich zu 2007 fast verdoppelt (6,1 Prozent zu 12 Prozent).[/Zitat]
Die Guteste bezieht sich dabei auf die ESPAD-Studie [3], für welche in regelmäßigen Abständen Schülerinnen und Schüler nach ihren Konsumgewohnheiten befragt werden. Dort geht es auf der Seite 12 um Cannabis (siehe Bild).

Tatsächlich liegt bei den INSGESAMT befragten Jugendlichen nur in 1,9% ein problematischer Konsum vor und bei 12% der KONSUMNIERENDEN Jugendlichen. Die 6,1% in Gerlachs Aussage betreffen die Prävalenzwerte an Gymnasien (im Vergleich zu anderen Schulformen), haben also überhaupt nichts mit der unterstellten "Verdoppelung" zu tun. insgesamt hatten nur 7,3% der Befragten im Monat vor der Erhebung Cannabis konsumiert. Wie die Studie feststellt, ist die Konsumprävalenz (Lebenszeit, 12 Monate, 30 Tage) SIGNIFIKANT gesunken. 2024 gaben 16,1 % der bayerischen Jugendlichen an, in den letzten Monaten Cannabis konsumiert zu haben – 2019 waren es noch 24,2%. Der festgestellte Anstieg von Konsumproblematiken dürfte im Bereich Dunkelfeldaufhellung liegen bzw. sich auf Verunreinigungen (Lacing) und synthetische Cannabinoide zurückführen lassen.
Aber Fakten (also, echte Fakten) interessieren die Frau Minsterin wohl nicht, schließlich gilt es, eine möglichst furchteinflößende Drohkulisse bzgl. Cannabis zu errichten bzw. um jeden Preis aufrecht zu erhalten. Ähnlich der Frau Warken, die mit der Verortung des Suezkanals Probleme hat [4], brilliert auch die bayerische Ministerin durch Faktenabstinenz. Vielleicht ist das so ein Ministerding, wer weiß?
Einer der Angstgegner des bayerischen Wurstadels, nämlich ein GRÜNER (hier: Toni Schuberl) hat dazu im Landtag eine Anfrage [5] gestartet und seine Fraktion hat dazu ("Umsetzung des KCanG in Bayern") einen Antrag im Landtag eingebracht. ABGELEHNT! Das Protokoll [6] dazu ist lesenswert. Da wird ein nicht näher definierter "Abwassertest" herangezogen, um zu "belegen", dass seit der "Legalisierung" (Wovon redet man da? Welche Legalisierung?) der Konsum um 13% gestiegen sei. Eine Bezugsgröße wird nicht genannt, aber wer braucht schon Fakten, wenn er in der Union ist? Der Sprechhansel von der AfD erwarte "demnächst eine vollständige Rücknahme des Cannabisgesetzes".
Was sagen denn koksende und saufende C$U-Bürgermeister dazu?
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[1] Quelle, gesehen am 12.03.2026, 10:00h: https://www.tz.de/muenchen/stadt/altstadt-lehel-ort43327/soeder-muenchen-festrede-weissbier-cannabis-schneider-jubilaeum-news-91899908.html
[2] Quelle, gesehen am 12.03.2026, 10:00h: https://www.stmgp.bayern.de/gerlachpraeventionsprojekte-bei-jugendlichen-wirken-bayerns-gesundheitsministerin-zu/
[3] Studie: https://fourtwenty.wtf/dl/ESPAD_2024_Bayern.pdf
[4] Quelle, gesehen am 12.03.2026, 10:00h: https://www.spiegel.de/politik/deutschland/nina-warken-gesundheitsministerin-verwechselt-die-strasse-von-hormus-mit-dem-suezkanal-a-fdd90599-82df-4223-9e87-a54f46d0b78d
[5] Quelle, gesehen am 12.03.2026, 10:00h: https://toni-schuberl.de/fileadmin/Speicherplatz/bayern/personen/toni-schuberl.de/Bilder/Presse/2026/Schriftliche_Anfrage_Schuberl_Irrefuehrende_Cannabis-Zahlen_von_StM_Gerlach.pdf
[6] Quelle, gesehen am 12.03.2026, 10:00h: https://toni-schuberl.de/fileadmin/Speicherplatz/bayern/personen/toni-schuberl.de/Bilder/Presse/2026/Gruenen-Antrag_Ja_zu_moderner_Drogenpolitik__nein_zu_populistischen_Blockaden_.pdf