Wir alle erinnern uns nur zu (un-)gern an das mitreißende Schauspiel eines engagierten Laien, wo es am 22.03.2024 im Bundesrat um die Zustimmung zum Cannabisgesetz (vorwiegend das KCanG) ging, als ein zu Tränen gerührter Ministerpräsident aus Rechtsdeutschland eindringlich davor warnte, die "Büchse der Pandora" zu öffnen. Unbestätigten Gerüchten zufolge sollen einige Kiffer ihre Grinder im Nachgang so genannt haben.
Tja. In Sachsen Ministerpräsident sein zu müssen, macht bestimmt nur durchschnittlich Spaß, jedenfalls kommt einem dieser Verdacht, wenn man sieht, was der Herr Michael Kretschmer für Schnuten zieht. Manch ein Cannabisnutzer würde ihm wohl raten, mal ne Tüte durchzuziehen und sich zu entspannen, aber das ist wohl nicht so sein Ding.

Der feine Herr Kretschmer fällt ja öfter mal auf. Er ist dem fernöstlichen Teil des europäischen Kontinents ja sehr zugetan und auch sonst macht der Regierungschef des Bundeslandes mit dem im Bundesdurchschnitt statistisch höchsten Crystal-Meth-Konsum eher nicht so eine gute Figur. Er glänzt durch die scheinbar völlige Abwesenheit von wissensbasierter Entscheidungsfähigkeit und brilliert vornehmlich durch faktenfremde Realitätsverweigerung. Na ja, und eben durch miserables Schauspiel.
Unvergessen sein hochnotpeinlicher Auftritt vor dem Plenum des Bundesrates am 22.03.2024, als er, die ungeschriebenen Gesetze des Hauses ignorierend und entgegen jeder Absprache für den Vermittlungsausschuss stimmte und damit seine Koalitionspartner vor laufenden Kameras blamierte. Er wetterte gegen das Cannabisgesetz, als gäbe es kein Morgen und es drohe der Untergang des Abendlandes. Er beschwor mit (nicht) gekonnter Darstellung innerer Eschütterung die Delegierten, dem Gesetz nicht zuzustimmen und verlieh seiner tief empfundenen Betroffenheit in einer Weise Ausdruck, dass man meinte, er würde gleich losheulend und schluchzend zusammenbrechen. Dieses furchtbare Kiffgras, das Millionen Menschen in Deutschland weitgehend unbeschadet konsumieren, stilisierte er zu einer "Gefahr für die Demokratie". Ironischerweise ist das gar nicht so weit hergeholt, denn Menschen, die sich ihre Freiheit nehmen, über ihren Geisteszustand selbst zu entscheiden, wählen nur selten die Union der Hopfen- und Destillatfetischisten und gefährden so gesehen natürlich deren rechtskonservative Demokratie.
Für die Nachwelt erhaltenswert jedenfalls fanden wir in der Redaktion den dramaturgischen Höhepunkt seiner Darbietung, die erschütternde Berichterstattung über die armen, armen Menschen, die "mit einfachen Drogen wie Cannabis" angefangen haben und dann zu quasilobotomierten Pflegefällen wurden. Alles nur... weil... es fängt ja immer irgendwo an, oder?
Langer Rede kurzer Sinn: Das Schmierentheater verfehlte natürlich sein Ziel und das KCanG ging (ergänzt um eine Protokollerklärung) durch. Das ganze Drama - völlig umsonst. A propos umsonst... So ganz und gar gemeinnützig war der Auftritt des Herrn Kretschmer sicherlich nicht. Denn, wie er selbst in Interviews nicht müde wird zu betonen, gilt sein Landesvaterzorn nur den "Freizeitkonsumenten" und dem Schutz der Witwen und Waisen, nicht jedoch all denen, die Cannabis als Medizin brauchen. Wir rührend. So mitfühlend, gell?
Das hat natürlich auch gar nix mit nix zu tun und erst recht nicht damit, dass die beiden größten MedCan Anbieter (Demecan & Grünhorn) im wunder-wunderschönen Sachsen produzieren und hier auch ihre Körperschafts- bzw. Gewebe- und Umsatzsteuer abführen. Also ist quasi das "gute Medizin-Gras" gern gesehen, aber sobald man es benutzt, um sich einfach nur zu entspannen, ist es eine sucht- und todbringende, demokratiefeindliche Vernichtungswaffe, der Büchse der Pandora entsprungen - einzig geschaffen, um unsere Kinder zu verderben und diese an das furchtbare Crystal Meth heranzuführen, dessen Verbreitung er mit "seinen Polizisten" nicht zu unterbinden vermag.

Bild: Michael Kretschmer bei der Fa. DEMECAN. Bildquelle: demecan.de
Frage: Cui bono? Was bewegt einen politischen Entscheidungsträger dazu, sich so vehement gegen "Freizeit"-Cannabis einzusetzen (also ein Heilkraut, dass jeder Erwachsene daheim anbauen kann und darf), wo doch in seinem Einflussbereich die größten Hersteller für "Medizinal"-Cannabis ansässig sind (deren Produkte über Versandapotheken in ganz Deutschland verkauft werden)? Darüber müsste man wohl mal intensiv nachdenken.
Aber ob es nun Unwissenheit, böse Absicht oder einfach eine unbeabsichtigte Nebenwirkung von Korruptionskontamination ist, die ein solch eklatant auffälliges Verhalten begründet, es zeigt, wes Geistes Kind Unionspolitiker sind. Öffentlich wettern sie herum, um sich dann abends vor dem Kamin bei einem Schoppen Spätburgunder ihre Krokodilstränchen mit Noten- und Aktienbündeln zu trocknen, so sie denn in der Gunst der Lobbyisten stehen. Vielleicht fährt man ja auch mal günstig in den Urlaub oder die Partei freut sich über opulent angemachte Spendenkörbchen, wer weiß schon, wie das so läuft im Geschäft.
Man will ja nun auch nicht den Herrn Kretschmer allzusehr verteufeln. Schaut man sich Leute wie Merz, Linnemann oder Spahn an und zu was diese Leute mutieren, wenn das Mikro offen ist, dann passt der larmoyante Sachse in diese Reihe schon ganz gut rein. Noch nicht perfekt, aber er ist sicher lernfähig. Vielleicht fängt er mit ein paar einfachen Achtsamkeitsübungen an, zum Beispiel Wasser mit dem Löffel von einem Glas ins anderen füllen, ohne zu kleckern? Das wär doch was. Oder?

Und ja, das war eine gehässige Polemik.