Einige Anmerkungen, Überlegungen und Vorschläge bzw. Forderungen für eine realitätsbezogene sog. "Drogenpolitik", also den Umgang mit Rauschmitteln, aber auch nicht stoffgebundenen Störungen.
Störungen im Substanzkonsum ergeben sich nicht selten aus Reaktanzverhalten in Bezug auf Prohibition. Grundsätzlich macht es Sinn, Substanzen zu legalisieren und diesen Schritt mit einem engmaschigen Netz aus Prävention durch Information und Aufklärung (PIA) positiv zu konnotieren. Die Finanzierung eines solchen Paradigmenwechsels zzgl. des erforderlichen Behandlungsbedarfs ergibt sich aus der möglichen Besteuerung von Konsummitteln.
„Der Begriff ‚Drogenpolitik‘ bezog sich bis zum Ende des letzten Jahrhunderts nur auf illegale Drogen, die im Mittelpunkt des politischen Interesses standen. Es gab keine vergleichbare Konzeption für eine Alkohol- oder Tabakpolitik oder für eine substanzübergreifende ‚Sucht‘-Politik. Seit einigen Jahren stehen Störungen durch legale psychotrope Substanzen (z. B. Alkohol, Tabak und Medikamentenmissbrauch) und substanzübergreifende Aspekte (z. B. in der universellen Prävention oder bei Patienten mit Mehrfachmissbrauch) sowie seit einiger Zeit auch stoffungebundene Süchte (z. B. pathologisches Glücksspiel) stärker im Mittelpunkt des politischen Interesses. Aus diesem Grunde werden zunehmend die Begriffe ‚Drogen- und Suchtpolitik‘ oder ‚Suchtpolitik‘ anstelle von ‚Drogenpolitik‘ verwendet.“
– Tim Pfeiffer-Gerschel, Lisa Jakob, Daniela Stumpf IFT Institut für Therapieforschung, Axel Budde, Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Christina Rummel, Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen: Bericht 2014 des nationalen REITOX-Knotenpunkts an die EBDD 1.1.1 Begriffsdefinition; S. 33 -
ALKOHOL
Status: legal, überall verfügbar, gesellschaftlich akzeptiert; erhältlich ab 16 Jahren (Bier/Wein) bzw. 18 Jahren (Spirituosen); Konsum von Bier und Wein ab 14 Jahren im Beisein Erziehungsberechtigter. Jugendschutz fragwürdig, da Kontrollen eher sporadisch.
Wirkung: mäßig bis sehr stark berauschend, Todesfolge bei Überdosierung möglich, Zellschäden, konsumbedingte temporäre Wesensveränderung (Aggression, Kontrollverlust) bis irreversible schwere psychische und physische Schäden bei Dauerkonsum.
Schaden: > 70.000 Tote p.a., ca. 1.000.000 Abhängigkeiten (starke bis extreme Konsumstörung), volkswirtschaftlicher Schaden ca. 57 Milliarden Euro p.a. - Konsument*innen erleben nach anhaltendem Konsum schweren körperlichen und geistigen Verfall bis hin zur Vergiftung, Organversagen und Tod.
Position: Alkohol ist ein extrem gefährliches toxisches Rauschmittel, das selbst in geringer Dosis Schaden anrichtet. Die Maßnahmen des Jugendschutzes sind vollkommen unzureichend und faktisch wirkungslos. Alkohol wird als Kulturgut geframed und durch offensives Bewerben z.B. im sportlichen Umfeld verharmlost.
Forderungen: Um die enormen Schäden des Alkoholkonsums abzumildern, bedarf es eines durchdachten und konsequent umgesetzten Maßnahmenpaketes.
Alkoholverkauf nicht an Personen unter 18 Jahren
Verkauf von Alkohol (Takeaway) nur in Fachgeschäften
Zutritt zu Schankwirtschaften mit Alkoholausschank ab 18 Jahren
Alkoholkonsum grundsätzlich erst ab 18 Jahren
Schulische und betriebliche Aufklärung jährlich
Auflösung der sog. „Staatsbrauereien“ i.R.d. Sorgfaltspflicht.
Hohe Besteuerung der entsprechenden Produkte
NIKOTIN
Status: legal, überall verfügbar, gesellschaftlich mäßig akzeptiert; erhältlich ab 18 Jahren; Konsum ab 18 Jahren in der Öffentlichkeit erlaubt. Jugendschutz fragwürdig, da Kontrollen eher sporadisch.
Wirkung: leicht berauschend, Todesfolge bei Langzeitkonsum möglich, Zellschäden im respiratorischen System (Krebsgefahr), psychisch stark verfestigte Konsumgewohnheit
Schaden: > 100.000 Tote p.a., ca. 25.000.000 mehr oder weniger starke Konsumstörungen, volkswirtschaftlicher Schaden ca. 20 Milliarden Euro p.a. - Weniger schädlich als das Rauchen ist die Aufnahme über Schleimhäute (Snus, Vape).
Position: Nikotin ist ein bedingt gefährliches Stimulanz, das einen hohen Grad der Gewöhnung generiert. Tabakwaren enthalten meist mehrere Dutzend problematische Stoffverbindungen, Gifte und Schwermetalle. Die Maßnahmen des Jugendschutzes sind vollkommen unzureichend und faktisch wirkungslos. Nikotin wird durch internationales Sponsoring (z.B. Formel Eins), Ausnahmen und Product Placement in den Medien beworben. Das muss enden.
Forderungen: Um die enormen Schäden des Niktotinkonsums abzumildern, bedarf es eines durchdachten und konsequent umgesetzten Maßnahmenpaketes.
Tabakwarenverkauf nicht an Personen unter 18 Jahren (realisiert)
Tabakwarenverkauf (Takeaway) nur in Fachgeschäften
Schutz der Nichtraucher vor dem „Passivrauchen“
Schulische und betriebliche Aufklärung jährlich
Hohe Besteuerung der entsprechenden Produkte
Niedrigschwellige Beratungs- & Entwöhnungsangebote
MEDIKAMENTE
Status: legal, überall (teilw. frei bzw. verschreibungspflichtig) verfügbar, gesellschaftlich mäßig akzeptiert mit Hang zur Verharmlosung (z.B. Beruhigungs- & Schmerzmittel), oft Alternative zu illegalen Stoffgruppen. Ableitungen von Medikamenten werden im Rauschmittelschwarzmakt gehandelt.
Wirkung: leicht bis schwer berauschend, Todesfolge bei Langzeitkonsum bzw. Überdosierung möglich, psychisch stark verfestigte Konsumgewohnheit bis hin zu Abhängigkeit und Sucht.
Schaden: > 25.000 Tote p.a. (sog. „Fehlmedikation“), ca. 2.000.000 mehr oder weniger starke Konsumstörungen, volkswirtschaftlicher Schaden ca. 14 Milliarden Euro p.a.
Position: Wirksame Medikamente sind unverzichtbarer Bestandteil eines funktionierenden Gesundheitssystems. Um die Schäden zu begrenzen, sind hier Aufklärung und auch Intervention wichtige Bestandteile der Schadensminderung. Hier sollte der Fokus liegen.
Forderungen: Um die enormen Schäden des Medikamentenmissbrauchs abzumildern, bedarf es einiger konsequent umgesetzter Maßnahmen.
Abgabe nur in Fachgeschäften, Apotheken (realisiert)
Versand nur an legitimierte Empfänger (Ausweiskontrolle)
Aufklärungsarbeit bei Ärzten bzgl. Verschreibungspraxis
Warnmechanismen in der elektronischen Patientenakte
Schulische und betriebliche Aufklärung jährlich
Breit aufgestellte Entwöhnungs- und Therapieangebote
CANNABIS
Status: teilweise legal, stark eingeschränkt verfügbar, gesellschaftlich mäßig bis wenig akzeptiert mit Hang zur Desinformation (bzgl. Gefährlichkeit), mitunter Alternative zu illegalen oder schadhaften Stoffgruppen. Personen über 18 Jahren dürfen 25g Cannabis öffentlich bei sich führen bzw. 50g in ihrer Wohnung besitzen. Der nicht gewinnorientierte Abverkauf über sog. „Anbauvereine“ sowie der Eigenanbau von 3 Pflanzen ist für Erwachsene erlaubt.
Wirkung: je nach Konsumform, Sorte und Dosis entspannend, leicht bis schwer berauschend, psychisch emotionsbedingt verstärkend; Hingezogenheit bis hin zu Abhängigkeit.
Schaden: Es sind keine organischen Schäden oder gar Todesfälle im Zusammenhang mit Cannabis bekannt, abgesehen von wenigen Fällen einer Allergieausbildung („Scromiting“). Es besteht bei starkem Konsum die Gefahr der Verstärkung psychischer Prädispositionen (z.B. Psychoseverstärkung). Die nicht selten vorgetragene Schädigung von Gehirnen präadoleszenter junger Menschen konnte bislang nicht nachgewiesen werden. Durch den Konsum mit Tabak oder durch synthetische Beimengungen („Lacing“) können Gesundheitsschäden auftreten.
Position: Cannabis ist ein eher mindergefährliches Rauschmittel, dessen Harz zumeist in unveränderter Form konsumiert wird. Die enthaltenen Cannabinoide besitzen medizinische Eigenschaften, die Patienten bei vielen Leiden Linderung verschaffen.
Forderungen: Die größte Gefahr durch Cannabis entsteht durch die Prohibition, die dieses pflanzliche Produkt für die organisierte Kriminalität interessant macht, was zur Gewinnmaximierung durch Streckmittel und synthetische Beimengungen führt.
Vollständige Legalisierung als Genussmittel und Arznei für Erwachsene
Abgabe nur in Fachgeschäften an Personen über 18 Jahren
Hohe Besteuerung der entsprechenden Produkte
Wegfall der durch das KCanG festgelegten Besitzobergrenzen
Wegfall der durch das KCanG festgelegten Abstandsregeln
Schulische und betriebliche Aufklärung jährlich
Aufstellung eines breit aufgefächerten Angebotes der Akutberatung
Bereitstellung von Hilfsangeboten zur Entwöhnung
OPIATE
Status: Nichtmedikamentöser Einsatz, also außerhalb von Schmerzmedizin / Substitutionstherapie ist illegal. Inverkehrbringen wird bestraft. Der Besitz ist verboten, wird in geringer Menge nicht bestraft (Beschlagnahme). Diacetylmorphin (ugs.: „Heroin“) ist rückläufig, z.T. wegen der Verringerung von Anbaugebieten für Schlafmohn. Dafür drängen mehr synthetische Opioide auf den Markt, die einfach und kostengünstig herzustellen sind.
Wirkung: Opiate im Allgemeinen wirken betäubend (analgetisch), dabei jedoch regulär nicht organtoxisch. Sie bilden schnell eine intensive physische Abhängigkeit mit Hang zur Dosissteigerung aus. Schadhafter Nutzen entsteht durch unsaubere Konsumutensilien, toxische Beimengungen und intensiven Konsum, Überdosen entstehen durch falsch eingeschätzte Wirkstoffkonzentrationen.
Schaden: Beimengungen („Streckmittel“) schädigen Nerven und Gewebe und können emetisch wirken („Brechreiz“). Langanhaltender Konsum verursacht irreversible Organschäden durch Beimengungen. Tod durch Atemdepression bei Überdosis.
Position: Die Zunahme vor allem an synthetischen Opioiden bei immer jüngeren Konsument*innen auf dem Schwarzmarkt wird als äußerst bedrohlich und besorgniserregend wahrgenommen. Auch der Verschnitt von anderen Rauschmitteln mit diesen Chemikalien stellt eine hohe Gefahr, insbesondere für unerfahrene Nutzer*innen dar.
Forderungen: Um einer „Opioidkrise“ wie in den USA wirksam vorzubeugen bzw. entgegenzuwirken, ist die kontrollierte und regulierte Abgabe von Opiaten und Opioiden dringend erforderlich, dazu müssen die hygenischen Bedingungen des Konsums dringend verbessert werden.
Verkauf nicht an Personen unter 18 Jahren
Abgabe nur in Fachgeschäften an Personen über 18 Jahren
Hohe Besteuerung der entsprechenden Produkte
Schulische und betriebliche Aufklärung jährlich
Aufstellung eines breit aufgefächerten Angebotes der Akutberatung, Drug-Checking
Bereitstellung von Hilfsangeboten zur Entwöhnung sowie von Konsumräumen
KOKAIN (& Crack)
Status: Der Besitz ist verboten, wird in geringer Menge nicht bestraft (Beschlagnahme), Verfahren werden oft eingestellt oder mit Geldstrafe beendet. Kokain ist inzwischen ein in der Gesellschaft weit verbreitetes und häufig konsumiertes Rauschmittel, das häufig zur Leistungssteigerung eingesetzt wird und es ist praktisch in unbegrenzter Menge im Schwarzmarkt einfach verfügbar (Stichwort: Kokstaxi).
Wirkung: Regulär nicht organtoxisch, stimmungsaufhellend, Botenstoff-Wiederaufnahmehemmung, lokalanästhetisch. Bei Nutzer*innen geschätzt ist die leistungssteigernde Wirkung.
Schaden: Intensiver Kokainkonsum kann (nasal) Schäden im Nasen-Rachenraum verursachen, internistisch wirkt die Substanz blutdruckerhöhend und sogar tachykard. Lang anhaltender Konsum (i.v.) kann den plötzlichen Herztod begünstigen. Der Hang zur Konsumintensivierung und eine hohe Toleranz treten schnell auf.
Position: Kokain ist mittlerweile eine häufig und viel konsumierte Droge in allen Gesellschaftsschichten geworden, das zeigen die steigenden Beschlagnahmemengen. Eine Legalisierung mit Qualitätskontrolle in Fachgeschäften kann den Schwarzmarkt weitgehend beseitigen.
Forderungen: Schaffung von Rechtssicherheit durch Legalisierung bei gleichzeitiger massiver Ausweitung von Beratungs- und Entwöhnungsangeboten.
Abgabe nur in Fachgeschäften an Personen über 18 Jahren
Hohe Besteuerung der entsprechenden Produkte
Schulische und betriebliche Aufklärung jährlich
Aufstellung eines breit aufgefächerten Angebotes der Akutberatung
SYNTHETISCHE DROGEN
Um nicht zu sehr ins Detail zu gehen, sollen hier die synthetischen Rauschmittel („Designerdrogen“) gemeinsam dargestellt werden. Dazu gehören u.a.: Amphetamin, Pyrovaleron (Flex), Ketamin (Esketamin), Crystal Meth (Phenylethylamin), Ecstasy (MDMA), sie werden auf rein chemischem Weg hergestellt.
Status: Herstellung, Inverkehrbringen und Besitz sind illegal, gleichwohl haben besonders MDMA und Crystal zu einer weit verbreiteten Nutzer*innenszene beigetragen, da sie zu günstigen Preisen angeboten werden.
Wirkung: Angesehen von der Rauschwirkung besitzen die verschiedenen Substanzen und Stoffgemische unterschiedliche physische Wirkungen, die jedoch in der Regel besonders bei anhaltendem Konsum schwere Schäden an Leib und Seele hinterlassen.
Schaden: Da diese chemischen Wirkstoffe bzw. die Zubereitungen daraus eine extreme psychische Abhängigkeit binnen kürzester Zeit auslösen können, bedürfen sie besonderer Überwachung. Sehr gefährlich sind auch hier die den Nutzer*innen z.T. völlig unbekannten Zusammensetzungen der „Partypillen“.
Position: Der Konsum dieser Stoffverbindungen muss anerkannt werden, denn er lässt sich nicht durch repressive Maßnahmen verringern oder gar verhindern. Auch hier muss Qualität vor Quantität gehen, um die Gefahren für Nutzer*innen zu verringern.
Forderungen: Akzeptanz der Partydrogenszene, Anerkennung des sozialen Problems der Drogenverelendung und weitreichende Resozialisierung.
Verkauf nicht an Personen unter 18 Jahren
Abgabe nur in Fachgeschäften an Personen über 18 Jahren
Hohe Besteuerung der entsprechenden Produkte
Schulische und betriebliche Aufklärung jährlich
Aufstellung eines breit aufgefächerten Angebotes der Akutberatung
Drug-Checking auch bei Musikveranstaltungen
Bereitstellung von Hilfsangeboten zur Entwöhnung sowie von Konsumräumen
NPS
Status: Unter dem Begriff „Neue Psychoaktive Stoffe“ werden nach dem NPS-Gesetz alle Stoffgruppen und Zubereitungen erfasst, die nicht zu den gängigen Marktprodukten zählen bzw. diese ersetzen, bis sie selbst verboten werden (z.B. synthetische Cannabinoide, LSD-Varianten usw.)
Wirkung: Meist berauschend, enthemmend, euphorisierend.
Schaden: Schaden entsteht durch toxische Grundstoffe, Beimengungen und Überdosierung.
Position: Wie synthetische Drogen
Forderung: Wie synthetische Drogen
PSILOCYBIN, MESKALIN, LYSERGSÄURE
Status: Pflanzliche Rauschmittel, die bewusstseinsverändernde Zustände hervorrufen können.
Wirkung: euphorisierend bis psychedelisch, veränderte Sinneswahrnehmung, Halluzination.
Schaden: Diese Rauschmittel wirken nicht organtoxisch, können jedoch (je nach Konsumsetting oder Prädisposition) das psychische Gleichgewicht erheblich stören („Bad Trip“).
Linke Position: Da diese Substanzen auch therapeutische Einsatzmöglichkeiten zeigen, sollte dieser Bereich besonders durch klinische Versuchsreihen erforscht werden.
Forderung: Einsatz dieser Wirkstoffe im psychotherapeutischen Bereich (z.B. Microdosing), Freigabe als Recreational Drug für den Privatgebrauch.
Wie synthetische Drogen und NPS
Das gestörte Sozialverhalten beruht nicht auf stoffgebundenen Abhängigkeitsszenarien, dabei geht es für die Betroffenen um eine handlungsregulierte Ausschüttung von endokrinen Botenstoffen. Dabei spielt letztlich die Art der Handlung keine allzu große Rolle. Solche Störungen können sich beispielsweise äußern in:
Übersteigerter Medienkonsum („Handy- bzw. Internetsucht“)
unangemessene Nutzung von Endgeräten („Zocken“)
Glücksspielsucht (online oder analog)
Beschäftigungsdrang („Arbeitssucht“)
Kaufsucht
Sexsucht
Sammelwut
andere Zwangshandlungen
(z.B. Ticks, Händewaschen, Putzen, Zählen, Nägelbeißen, Ritzen usw.)
All diese Verhaltensmuster haben eines gemeinsam, nämlich dass sie quasi zwanghaft erfolgen, die Betroffenen besitzen also selbst so gut wie keine wirksame Handhabe, zwanghafte Handlungen zu unterlassen. Mitunter wird auch versucht, einen Zwang durch eine Ersatzhandlung zu dämpfen („Coping“).
Schaden: Durch ein gestörtes Sozialverhalten verändert sich mit der Zeit der Charakter und es kommt zu negativen Erlebnissen im sozialen Umfeld (Ablehnung, Isolation), was nicht selten als Trigger zur Verstärkung des schadhaften Verhaltens dient. Eine große Gefahr besteht im Auftreten depressiver Charakterveränderungen. Mitunter führt schadhaftes Sozialverhalten auch in substanzgebundene Abhängigkeiten mit daraus resultierenden physischen Schäden.
Position: Es ist wichtig, dass schadhaftes Sozialverhalten entstigmatisiert und gesehen wird. Die Betroffenen müssen Hilfsangebote erhalten, die es ihnen ermöglichen, ihr eigenes Verhalten zu ändern, um sich wieder in der Gesellschaft wohlfühlen zu können.
Forderungen: Finanziell und gut aufgestellte Grundlagenforschung ist Bedingung für eine wirksame und nachhaltige Behandlung.
Entstigmatisierung Betroffener, Anerkennung des Leidensdrucks
Aufsuchende Beratung, Intervention und Alltagshilfe
Anerkennung durch Kostenträger der Gesundheitsfürsorge
Schulische und betriebliche Aufklärung jährlich
weitreichende niedrigschwellige Hilfsangebote
Hilfen sind hier erforderlich im Bereich nichtdiskriminierende Aufklärung und Beratung, aber auch im Bereich klinische Behandlung durch Medikation und/oder Psychotherapie.