Das bunte Drogen ABC der Kirche

Man mag es nicht glauben. Erneut preschen die Leute, die sich gern im Weihrauchdunst mit einem imaginären Overlord unterhalten und sich diesem bedingungslos hingeben möchten, in Sachen Rauschmittel vor. Kannste dir nicht ausdenken.

Der "Diözesanverband Osnabrück" hat eine Broschüre herausgegeben, die an Schulen und sonstwo fleißig verteilt wird. Darin berichten "Betroffene" über ihre furchtbaren "Suchterfahrungen" z.B. mit Cannabis. Der NDR hat das brav medial begleitet.

Drogen ABC

Zitat aus dem Beitrag [LINK]:
"Jessica Schwegmann und Felix Flacke haben es schon früh selbst erlebt, wie es ist, abhängig zu sein. Die 33 Jahre alte Jessica nahm jahrelang Tabletten, der heute 30 Jahre alte Felix konsumierte regelmäßig Cannabis. Ihre Geschichten haben sie aufgeschrieben für das "Drogen ABC", eine Broschüre des Kreuzbund-Diözesanverbandes Osnabrück. Sie ist deutschlandweit auf große Resonanz gestoßen – vor allem durch die ehrlichen und authentischen Schilderungen von Abhängigen und Mitbetroffenen."
Zitat Ende

Ähm. Tja. Also, wir arbeiten nun seit fast 35 Jahren in der akzeptierenden Rauschmittelberatung zu Konsumstörungen. Wir kennen viele Geschichten, die das Leben schrieb. Darunter auch sehr unschöne. Aber was hier abgelassen wird, ist dermaßen 80er Jahre, dass man nicht anders kann, als - na ja - zumindest grinsen, um nicht allzu unhöflich zu erscheinen.

Ja, ungesunder Konsum von Rauschmitteln ist nicht nur für Konsumentinnen und Konsumenten schädlich, sondern auch für deren Umfeld. Keine Frage. Aber diese Geschichten, die da vorgetragen werden, sind zwar herzergreifend, aber sie sind schlichtweg unwirksam, und zwar ähnlich, wie Bilder von Lungenkrebs auf Zigarettenpackungen. Im Gegenteil, im schlimmsten Falle können sie Reaktanzverhalten auslösen.

Dass ausgerechnet DIE KIRCHE sich hier bemüßigt fühlt, der Jugend Ratschläge zu erteilen, wie sie ein gottgefälliges Leben zu führen hat, entbehrt nicht einer gewissen Komik. Aber wir kennen das. Als wir 1993 in einer Kreisstadt den ersten Spritzentausch eröffneten, wurde unser Vorstand quasi vorgeladen zu einer Anhörung von Kirchen und Stadtverwaltung und mussten uns erklären, was wir denn da vorhätten. Zur gleichen Zeit warnte die Diakonie noch vor "Haschisch als Einstieg zum Heroinkonsum".

Das sind keine Fachleute, die da sprechen, sondern hochbezahlte Verwaltungskräfte, die das Geld der Steuerzahler verballern, um ihren Bürostuhl zu polstern. Ich meine, es glaubt ja wohl niemand, dass diese "Hilfe" aus dem Klingelbeutel gezahlt wird? Was ist das nächste große Ding? Kripobeamte vom Rauschgiftdezernat referieren über Harm Reduction? Was? Gibt's schon? Schei... echt? 😌

Mal Butter bei die Fische jetzt. Was junge Menschen brauchen, sind Berater, die auf Augenhöhe sprechen. Ich will "Jessica" und "Felix" nicht absprechen, dass sie es gut meinen, aber gut gemeint ist sicherlich nicht immer gut gemacht. Okay, der Felix brauchte anderthalb Jahre, um vom Gras wegzukommen, bei manchen dauert es halt länger. Aber man sollte da doch lieber Leute in den Pit stellen, die etwas überzeugender wirken.

Fakt ist: Bei uns laufen solche Gespräche anders. Zunächst FRAGEN wir die Erfahrungen ab (und zwar ohne Autoritätspersonen im Raum). Dann hast immer so ein, zwei Clowns dabei, die meinen, sie könnten dabei den Kasper mimen. Die pickt man sich zuerst raus und redet über Fakten, oder man lässt sie vortreten und fachlich versiert über ihre Erfahrungen berichten. Dann ist erstmal Ruhe im Raum. Der nächste Punkt ist, Vertrauen aufzubauen und den jungen Leuten klar zu machen, dass es hier nicht darum geht, ihnen etwas zu verbieten, sondern sie mit Informationen zu versorgen. Realistischen Infos.

Dann kommt Leben in die Gruppe und es gibt eine sehr offene und gute Atmosphäre. Darin kannst du deine Appelle droppen. So bleibt auch was hängen. Aber wie gesagt, es ist hier nicht die Absicht, den engagierten jungen Menschen ihren Enthusiasmus schlechtzureden. Aber dass mal wieder die Seelenfänger der Mord- und Totschlagkulte (sie beten zu einem Ermordeten) hier die Platzhirsche sind, stinkt zum Himmel nach ideologisierter Prohibitionsrhetorik.

Den Initiatoren geht es nicht darum, den jungen Leuten Freiheiten zu lassen, es geht vielmehr darum, Drohkulissen zu errichten, um auf dem Boden der Angst dann ihre Saat aus Unterwerfung und Willfährigkeit auszubringen. Dem Staat und seinen "christlichen" Parteigängern ist das nur recht, darum bezahlt er es auch. Um nichts anderes geht es dabei. Da hat sich seit 40 Jahren nichts geändert.

Same Vibes:
Einstiegsdrogen