Der säuselnde Hardliner - Hendrik Streeck

Als ein Mediziner zum BDB berufen wurde, freuten sich alle. Ach, wie dumm wir doch waren, zu glauben, in der CDU würde sich so etwas wie Vernunft durchsetzen. Haha! Ein erneutes Interview mit dem Bundesprohibitor beweist mal wieder, wie menschenfeindlich Politik sein kann.

Streeck Interview

Einmal mehr hat die Presse dem BDB im Interview eine Plattform geboten. Wir beziehen uns hier auf einen Artikel aus der ZEIT Nr. 02/2026, aktualisiert am 9. Januar 2026, 15:32 Uhr, Titel: Sollen harte Drogen legalisiert werden? [Link] Nun, auch wir haben beim BDB wegen eines Interviews angefragt und erhielten die Antwort: 

"...  Ich muss Sie um Verständnis bitten, dass Herr Streeck den von Ihnen übersandten Fragenkatalog leider nicht beantworten kann."

Na gut ... Wenigstens einmal war die CDU ehrlich... und nachdem wir in der Redaktion den ZEIT-Artikel gelesen haben, sind wir eigentlich ganz froh, dass der Mann uns nicht geantwortet hat, denn das verhindert die Verschmutzung unserer Website mit dem Unsinn, der da abgelassen wird. Angesichts dessen, was Streeck da äußert, fällt es ungemein schwer, ihm seine medizinische Expertise abzukaufen. Für die allgemeine Wählertäuschung reicht es wahrscheinlich.

Ad rem. Streeck äußert:

[Zitat]"Aus meiner Sicht muss die Politik gegenhalten in einer Welt, in der theoretisch alles verfügbar ist und Jugendliche mit Botschaften aufwachsen, die Drogen verherrlichen und normalisieren. "[/Zitat]

Mit "Gegenhalten" meint er natürlich mehr Repression, Verbote, Bestrafung. Das hat ja in den letzten hundert Jahren auch so gut funkioniert. Wahrscheinlich weiß der gute Mann nicht, dass wir in einer Welt leben, in der nicht nur "theoretisch alles verfügbar ist", sondern auch praktisch. Stichwort: Kokstaxi, Pizza Mary Jane usw. ... und Stichwort "verherrlichen" - wer erinnert sich noch an die guten alten U-Comix der Achtziger? Genau. Und "normalisieren" ist exakt das, was die Legalisierungsbewegung fordert. Es ist nämlich seit mehreren tausend Jahren nachgewiesen normal für Menschen, Rauschmittel zu konsumieren. In den Gräbern ägyptischer Pharaonen wurde Bier in Tonkrügen als Grabbeigabe für das Leben im Jenseits hinterlegt, chinesische Ärzte heilten bereits vor Beginn der ersten Dynastie mit Dama (Cannabis) und wer im zweiten Buch der Thora (Exodus 30,23) nachliest, wird dort die Bezeichnung Kaneh-Bosm finden, welches als CBD- und THC-haltige Ingredienz am Altar von Tel Arat nachgewiesen wurde [*]. Von ritueller Nutzung von Coca, Psilocybe, Soma und dergleichen ganz zu schweigen. Das kann man natürlich - wie der Herr Streeck - bei einem guten Glas Spätburgunder ignorieren, ist halt dann eben nur nicht wissenschaftlich.

[Zitat]"Drogen schaden dem Körper – egal, um welche Substanz es geht. "[/Zitat]

Also DAS von einem Mediziner lesen zu müssen, treibt einem schon ein wenig die Tränen in die Augen. Das lässt sich doch nur mit himmelschreiender Ignoranz erklären - oder eben mit abgrundtiefer Dummheit. Letzteres möchte man eigentlich jemandem, der Medizin studiert hat, nicht unterstellen. Wie viele unserer ach so hoch gepriesenen "Medikamente" sind eigentlich Drogen? Ach ja, im Grunde alle. Und es sind weiß Gott nicht alle der Gesundheit zuträglich. Kopfschmerzen? Einfach ne frei erhältliche Ibu einwerfen, auch wenn der Wirkstoff die Nieren malträtiert und zu ernsthaften Gesundheitsschäden führen kann. Die an Überdosen von ärztlich verordnetem Fenta, Oxy & Co. verstorbenen Patienten tauchen nicht in der Statistik der Drogentoten auf, es waren ja die "Medikamente", die diese Leute gekillt haben. Wir lernen also: Es gibt GUTE DROGEN und SCHLECHTE DROGEN. Beide Arten können (je nach Substanz und Dosis) sogar töten, das unterscheidet sie also nicht voneinander. Die schlechten Drogen erkennt man daran, dass sie nicht frei bzw. als Verschreibung erhältlich sind.

[Zitat]"Die eigene Gesundheit ist das Wertvollste, was ein Mensch hat."[/Zitat]

Richtig erfasst, Herr Doktor! Und aus welchem Grund wollen Sie den Menschen dann das, was die Menschen nutzen, um ihre "wertvolle Gesundheit" zu erhalten oder gar zu verbessern, nicht zubilligen? Auf eine solche Frage kommt üblicherweise das Narrativ von den armen, drogenverseuchten Kinderchen ... "aber die Kindääääär!!!!" - nur: die Nummer zieht allenfalls bei zerebral entkernter CDU-Stammwählerschaft. Wer sich die Kommentare unter dem Ursprungsartikel durchliest, merkt sehr schnell, dass der Herr BDB nicht FÜR die Menschen spricht, sondern allenfalls ÜBER sie. Die inhaltslosen Worthülsen, die der Regierungsbeauftragte da absondert, sind nichts weiter als wirkungslose Phrasen, und er weiß es.

[Zitat]"Eine Gesellschaft ist kein Labor. Wir können die Folgen nicht zuverlässig abschätzen. Angesichts einer Vielfalt an sozialen Problemen, mit denen wir konfrontiert sind, besteht die Gefahr von Kontrollverlust, (...)"[/Zitat]

Richtig. Kein Labor. Im Labor eines Sprechkörpers mit akademischem Hintergrund ist nämlich alles ganz einfach. Alles verbieten, dann nimmt es keiner, weil: ist ja verboten. Interessant ist hier der zweite Satz, da rückt er nämlich mit der Sprache raus, um was es ihm tatsächlich geht:

KONTROLLE

Ein Kontrollverlust - ob eingebildet oder real - lässt die Unionisten nachts schweißgebadet wach werden. Denn es ist ja so, dass der Anteil der Rauschmittelkonsumenten, die konservative oder rechtsextreme Parteien wählen, eher gering ist. Na ja, bei den Sachsensplitter-Parteien weiß man das nicht so genau. Aber es ist so, dass der Konsum von Rauschmitteln, so sie unverändert pflanzlichen Ursprungs sind, Bewusstseinsveränderungen bewirken kann, die eine Hinwendung zur Willensethik (Verantwortungsübernahme) bewirken und den blinden Kadavergehorsam (Verantwortungsabgabe) sowie die Obrigkeitshörigkeit eher beschränken. Davor fürchtet sich der Konservative: Veränderungen und Kontrollverluste.

[Zitat]"Deshalb haben wir Maßnahmen zur Schadensminimierung ergriffen: Naloxon, das Gegenmittel bei Überdosierungen von Heroin oder Fentanyl, ist rezeptfrei verfügbar."[/Zitat]

Hahahaaaa! "Maßnahmen" - jetzt wird es schon fast urkomisch (wenn es nicht so traurig wäre, weil es um Menschenleben geht)! Hat Herr Streeck mal den Apotheker seines Vertrauens gefragt wie viele Packungen Nyxoid er für je 50,- € verkauft hat in den letzten Tagen, Wochen, Monaten? Das wird die Todesquote bestimmt ordentlich drücken (sic!). Und die Verfügbarkeit von Opioidantagonisten hilft den Crack-, Flex- und Crystalusern jetzt WIE GENAU?

[Zitat]"Das Argument "es passiert sowieso" ist eine Absage an eine aktive Drogenpolitik. Gerade weil konsumiert wird, brauchen wir klare Grenzen, ein starkes Hilfesystem – keine normativ offene Tür. Eine legale Abgabe harter Drogen, egal in welcher Form, erhöht ihre Präsenz und führt langfristig zu mehr Konsum und Schäden."[/Zitat]

Auch sowas kann nur von einem Unionisten kommen, der keine Ahnung hat (oder haben will) von dem, was er da redet. "Klare Grenzen" - also wieder Kontrolle, Überwachung, Bestrafung. Ein "starkes Hilfesystem" ? Ist das ein schlechter Witz? Hier in unserer Gegend werden gerade die Mittel für niedrigschwellige Beratung komplett eingedampft, weil die Diakonie so eine geniale "Online-Suchtberatung" mit Chatbot aufgemacht hat. Das reicht doch, oder? Selbst der Fachverband fdr warnt seine Mitglieder schon vor weiteren Kürzungen. Und ja, Herr Streeck, Ratsuchende BRAUCHEN "eine offene Tür" und kein billig zusammengeschustertes Webinterface bei einem Alleweltsprovider. Und der letzte Satz ist schlicht und ergreifend die Unwahrheit. Wo sind die Zahlen dazu? Welche Bedeutung hat bei einer Legalisierung die Dunkelfeldaufhellung? So viele Fragen, die Herr BDB uns nach Aussage seiner Mitarbeiter "... leider nicht beantworten kann." Das ist aber schade.

[Zitat]"Ich habe neun Jahre in den USA gelebt und die Opioidkrise dort erlebt: 70.000 Tote pro Jahr, massive Verelendung."[/Zitat]

Nun, unser Autor lebt seit 60 Jahren in Deutschland. 70.000 Alkoholtote pro Jahr, massive Verelendung. Warum ist Alkohol nicht verboten?

[Zitat]"Ich war kürzlich in Lissabon. Da gibt es das viel gerühmte portugiesische Modell, bei dem der Besitz von LSD, Ecstasy, Heroin oder Kokain zum Eigengebrauch in geringen Mengen bloß eine Ordnungswidrigkeit ist. Ich bin vor meinem Hotel mehrmals von Dealern gefragt worden, ob ich Drogen kaufen will."[/Zitat]

Und unser Autor war kürzlich im Paulanergarten, ein öffentlicher Konsumraum, zu dem auch Kinder Zutritt haben. Da gibt es Nervengift in Literkrügen, hergestellt in Staatsbrauereien. Da wird man dauernd gefragt, warum man denn nicht mitkonsumieren will. Aber die Helfer der Dealer, die dir Rauschgift verkaufen wollen, tragen da wenigstens hübsche Kleidchen.

Spaß beiseite. Was Streeck hier mal wieder ablässt, ist reines und unverschnittenes Prohibitionistengewäsch. Unbeholfenes Gewinsel wider jeder Faktenlage und Klientelpropaganda, welche die verkalkten Stammwähler bei der Stange halten soll. Wer dem Mann glaubt, ist selber Schuld. Ein bisschen tut er mir auch leid, wie er da so hilflos die Regierungspropaganda (übrigens auch die der SPD) unters Wahlvolk streut, während der größte Teil seiner Berufskollegen ihn milde belächelt. Außer die gutherzigen Samariter von der Pharmaindustrie, die öffnen ob solch herzzerreißender Geschichten ihre Herzen und ihre Brieftaschen, um der Partei der christlichen Nächstenliebe, die ja nur das Beste will, mit sechsstelligen Beträgen ein wenig unter die Arme zu greifen. Und schwupps! Soll MedCan-Versand verboten werden. Na sowas ...

Es widert nur noch an.  Ach, einen haben wir noch. Einen Tag nach Veröffentlichung dieses Artikel gab der Bundes-Dingens-Beauftragte bei X zum Besten, wie gut er sich mit Supermario unterhalten hat. Sehr schön. Was er allerdings mit "CHRYTAL" meint, erschließt sich uns nur äußerst bedingt. Meint er bayerisches Chrystal Mett oder die britische Popsängerin Chrystal? Falls er Auf Methamphetamin anspielt, nun, das schreibt man ohne "h" im ersten Wort: CRYSTAL METH. Vielleicht sagt ihm das mal jemand.

Streeck

Ein weiterer Artikel zu den kruden Ansichten des BDB befindet sich [HIER]

[*] Rogers, Kristen: "Cannabis was used for religious rites at a biblical site in Israel, study finds". Quelle: https://edition.cnn.com/2020/05/28/world/tel-arad-shrine-israel-cannabis-study-scn/index.html abgerufen am 20.01.2026, 17:00h (englisch).