Das Kiffergesetz muss weg!

Ja, es ist mal wieder soweit: Bullshitbingo in der Prohibitionsklause bei nem guten Schoppen Grauburgunder. Oder? Da macht das Hetzen gegen Cannabisnutzer doch so richtig Spaß. Heute erklärt uns Robin in der "Schwäbischen", dass "die Zahlen auf dem Tisch liegen" und er meint damit nicht Öchsle.

Robin Halle Schwäbische

Ein gewisser Herr Robin Halle, ein studierter Sportwissenschaftler, warnt in einem Onlineartikel vor "Gefahren", weil das Rauchen eines Joints ja "vielfach zum Alltag" gehört. Gut, der Mann hat nicht besonders viel Ahnung von dem, über das er da schreibt, aber das hält "Publizisten" ja gemeinhin nicht davon ab, irgendetwas zu publizieren. In diesem Beitrag geht es um einen Artikel [*], aus dem hier zitiert wird und den wir nicht unkommentiert stehen lassen möchten. Der Teaser allein ist schon ein Ding für sich.

[Zitat]
"Gesundheitsministerin Warken schlägt Alarm: Medizinisches Cannabis wird vielfach zur Alltagsdroge. Unser Kommentator Robin Halle meint: Handel mit Cannabis muss verboten werden."
[/Zitat]

Der Großalarm aus dem BMG fällt ja derzeit eher leisetreterisch aus, weil selbst im konservativen Lager die Leute sagen: Nun ist es aber langsam mal gut. "Medizinisches Cannabis" unterscheidet sich von "Freizeitcannabis" ausschließlich dadurch, dass es anders genannt wird. Das pflanzliche Material ist vollkommen identisch, außer im Falle von synthetisch hergestellter Cannabismedizin, aber um die geht es hier tatsächlich gar nicht. Robin meint also, der Handel muss verboten werden. Fun fact: Er IST verboten, außer für Menschen und Firmen, die über eine gesonderte Erlaubnis verfügen. Hätte Robin das CanG (verstehend) gelesen, wüsste er das vielleicht sogar. Oder er weiß es und ignoriert das einfach.

[Zitat]
"Tatort Internet: Importe von sogenanntem „Medizinal-Cannabis“ sind im ersten Halbjahr 2025 um 400 Prozent gestiegen: auf gefährliche 80 Tonnen. Apotheken werden regelrecht geflutet, nachdem (medizinische) Rauschmittel kinderleicht per Mausklick im Internet erhältlich sind. Vielfach Stoff, der besser ist als gestrecktes Marihuana auf dem Schwarzmarkt."
[/Zitat]

Dieser Absatz ist auf dermaßen vielen Ebenen falsch, dass man gar nicht weiß, wo man Anfangen kann, wenn der erste Lachflash vorbei ist. Ja, die "gefährliche" Importmenge ist im ersten Halbjahr um ca. 400% gestiegen gegenüber dem ersten Halbjahr 2024. Was Robin vergisst zu erwähnen, ist, dass das CanG erst im April 2024 in Kraft getreten ist. Die Stats [**] sehen so aus:

  • 2023:
    Rund 32,5 Tonnen im Jahr. 

 

  • 2024:
    Q1 2024: 8,1 Tonnen
    Q2 2024: 11,6 Tonnen
    Q3 2024: 20,7 Tonnen
    Q4 2024: 31,7 Tonnen
    Jahresgesamtsumme 2024: Ca. 72 Tonnen 

 

  • 2025:
    Q1 2025: ca. 37 Tonnen
    Q2 2025: ca. 43 Tonnen
    Q3 2025: ca. 57 Tonnen
    Q4: geschätzt ca. 55 Tonnen
    Jahresgesamtsumme 2025: ca. 192 Tonnen (genehmigte Menge)

Der Gesamtbedarf wird von Experten auf 400-700 Tonnen geschätzt, von denen nun (je nach Schätzung) 30-50% nicht mehr über den Schwarzmarkt bezogen werden. Dass Apotheken "regelrecht geflutet" werden, stört wohl am wenigsten die Apotheker, die nämlich sehr gut an der Medizin verdienen bei gut 1.000.000.000,- Umsatz. Auch der Staat verdient mit 70.000.000,- USt. gut daran. Dass Rauschmittel "kinderleicht per Mausklick" im Internet zu bekommen sind, ist eine ausgesprochen zweckdienliche Darstellung, die mit der Realität nichts zu tun hat. So z.B. findet bei der Boten-Lieferung grundsätzlich eine Ausweiskontrolle statt, aber das Wording "kinderleicht" geht  so richtig schön in die beabsichtigte Richtung ("Aber die Kindäääär!"). In einem hat der Kommentator allerdings recht, das Apothekencannabis IST besser als gestreckter Stoff vom Schwarzmarkt. Das allerdings spricht eher FÜR diesen Vertriebsweg.
   
[Zitat]
"Tatort Straße: Ex-Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) wollte besagten Schwarzmarkt eigentlich „austrocknen."
[/Zitat]

Ja, Robin. GENAU DAS passiert nämlich gerade. Der "Tatort Straße" wird trockengelegt, allerdings viel langsamer, als es möglich wäre. Die aktuelle Regierung tut ja alles nur mögliche dafür, um dieser Austrocknung entgegenzuwirken. Der hier zitierte Artikel diente ebenfalls dem Zweck, der Öffentlichkeit vorzugaukeln, die Teilentkriminalisierung sei URSACHE des Schwarzmarktes, obschon das exakte Gegenteil der Fall ist, eine Legalisierung ist nämlich die LÖSUNG des Problems Schwarzmarkt. Aber das passt natürlich nicht ins Narrativ der weinseligen Prohibitionisten. Da muss man sich die Realität schon ein wenig zurechtbiegen.

Fakten.
1) Mindestens 160 Tonnen (!) Cannabis werden in diesem Jahr NICHT vom Schwarzmarkt geliefert, sondern als sauberes, günstiges, versteuertes Cannabis aus kontrolliertem Anbau, das Nutzer bedenkenlos konsumieren können.
2) Sehr viele Patienten, die sich früher Cannabis als Arznei nach BtmG nicht verschreiben lassen konnten, haben früher auf dem Schwarzmarkt eingekauft, um Stigmatisierung und Spießrutenlauf zu umgehen. Diese Patienten können nun über Telemedizin und Arzneiversand ihren Bedarf legal decken (Dunkelfeldaufhellung).
3) Viele Patienten, die sich nun trauen, konsumieren weniger schädliche Medikamente (z.B. Schmerzmittel) und entlasten, da sie zumeist Selbstzahler sind, die Krankenkassen.

Jede, aber auch ausnahmslos jede Statistik bezeugt, dass Legalisierung den "Tatort Straße" obsolet macht.

[Zitat]
"Laut Polizei sei der unübersichtliche Mix aus privatem Anbau, Anbau in Vereinigungen, Internethandel und illegalem Verkauf kaum kontrollierbar. Knapp 60 Prozent der Konsumenten beziehen ihr Cannabis laut einer repräsentativen appinio-Umfrage über zweifelhafte Kanäle. Eine schallende Ohrfeige für Lauterbach!"
[/Zitat]

Soso. "Laut Polizei" ... wen hat der Robin denn da gefragt? Herrn Wendt von der DPolG? Die Polizisten im LEAP Verein wohl nicht. Es stimmt uns ja sehr betrüblich, dass "die Polizei" die geltende Rechtslage "unübersichtlich" findet, aber es sei gesagt, das liegt NICHT an der Gesetzeslage. Und "kaum kontrollierbar" ist die Marktlage doch nicht erst seit gestern! Was nun die "zweifelhaften Kanäle" angeht, so beruft sich Robin dabei offenbar auf eine Umfrage der website appinio.com, diese allerdings stammt vom 17. Mai 2024, also sechs Wochen nach Inkrafttreten des KCanG und sechs Wochen VOR der möglichen Beantragung von Anbaugenehmigungen durch Anbauvereine, also zu einem Zeitpunkt, als das legal verfügbare Cannabis bei NULL lag, also die Versorgung fast ausschließlich über den Schwarzmarkt bzw. illegale Bezugswege stattfand, abgesehen von sehr wenigen Patienten, die Import-Cannabis per Btm-Rezept verschrieben bekamen.

Wir legen dem lieben Robin der Vollständigkeit halber mal ans Herz, aktuelle Umfragen zu betrachten, z.B. die KonCanG Umfrage von Werse u.a. aus dem August 2025 [****]

Die Bezugsquellen-Stats:

vor 01.04.2024 (gerundet, Mehrfachnennung möglich)
Freunde/Eigenanbau: 29,6%
Freunde/Kein Eigenanbau: 50,3%
Bekannte Dealer: 57,4%
Unbekannte Dealer: 13,8%
Internet: 11,6%
Eigenanbau: 19,3%
Apotheke: 10%
Sonstiges: 9,4%

02-08/2025 (gerundet, Mehrfachnennung möglich)
Freunde/Eigenanbau: 24%
Freunde/Kein Eigenanbau: 12%
Bekannte Dealer: 10,2%
Unbekannte Dealer: 12%
Internet: 1,3%
Eigenanbau: 62,3%
Apotheke: 43,7%
Sonstiges: 5%

Das ist alles andere als eine "schallende Ohrfeige" für Karl Lauterbach! Es ist eine (vorläufige) Evidenz, die DEUTLICH aufzeigt, dass die Konsumenten jedes LEGALE Angebot dem Schwarzmarkt vorziehen und damit exakt das tun, was sämtliche echten Experten vorausgesagt haben. Robins Aussage ist also faktisch falsch. Das nennt man heutzutage wohl FAKENEWS.

Man kann nun darüber spekulieren, ob das ein Mangel an Bildung ist, der Kommentatoren solche Aussagen abnötigt, oder ob ein Kalkül dahintersteckt, das beabsichtigt, die öffentliche Meinung rechts von der Mitte zu manipulieren. Im ersteren Fall würde es sich einfach nur um qualitativ minderwertige Berichterstattung handeln, im anderen Fall kämen Adjektive wie "hinterlistig, durchtrieben, verleumderisch" in Frage.

Interessanterweise ist der Herr Robin Halle auch "Mitglied der Chefredaktion" beim "Nordkurier", wo er sich am selben Tag in einem Artikel [*****] trauernd um den stagnierenden Weinabsatz echauffiert. Da ist die Ausrichtung des "objektiven Journalismus" wohl ziemlich klar. Weniger Kiffen - mehr Saufen, so lautet hier die Devise.

Robin Halle Nordkurier


[*] Quelle, gesehen am 16.01. um 14:00h: https://www.schwaebische.de/politik/die-zahlen-liegen-auf-dem-tisch-das-kiffer-gesetz-muss-endlich-weg-4269081
[**] Quelle, gesehen am 16.01. um 14:00h: https://www.bfarm.de/DE/Bundesopiumstelle/_FAQ/Medizinisches-Cannabis/MedCan-Einfuhr-Ausfuhr/faq-liste.html
[***] Quelle, gesehen am 16.01. um 14:00h: https://research.appinio.com/#/de/survey/public/ORr30aL67
[****] Quelle, gesehen am 16.01. um 14:00h: https://www.frankfurt-university.de/fileadmin/standard/ISFF/KonCanG_Projektbericht.pdf
[*****] Quelle, gesehen am 16.01. um 14:00h: https://www.nordkurier.de/panorama/deutscher-wein-verstaubt-in-den-regalen-aber-uns-scheint-das-egal-zu-sein-4272548

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