Ausgesprochene Experten wie z.B. Herr Prof. Dr. Streeck sind der Ansicht, dass nur sehr wenige Krankheitsbilder überhaupt mit Cannabis behandelt werden können. Spezialisten halt. Und wie fast immer im Leben sehen Betroffene das anders. Cannabis bei Lungenerkrankungen? Kann man sich das vorstellen? Ein Erfahrungsbericht.

Im Englischen kann man dieses Wort nicht ohne "die drei Buchstaben" schreiben. Eine schöne Allegorie. Cannabis und seine verschiedenen Cannabinoide besitzen sehr ausgeprägte gesundheitsfördernde Eigenschaften. Fourtwenty.wtf hat das in einem eigenen Artikel [*] recht detailliert aufgedröselt. In diesem Artikel hier jedoch geht es um ein sehr spezielles Anwendungsgebiet, dass in der Naturheilkunde und in der Schulmedizin bislang ein relativ unscheinbares Dasein fristete, nämlich die Anwendung im Bereich der Lungenerkrankungen.
Ein Selbsterfahrungsbericht von unseren Redakteur Olaf Francke.
Seit frühester Kindheit quäle ich mich mit schweren Lungenleiden herum. Was als Asthma bronchiale begann ist nunmehr erwachsen und heißt COPD, Status IV/Gold. Was vielleicht nach ner Premiummitgliedschaft in irgendeinem Club klingt, zwingt viele Menschen in meinem Alter (60+) dazu, mit ner schicken Umhängetasche herumzulaufen, in der ein Sauerstoffkonzentrator vor sich hin blubbert. Man erkennt diese Leute an der Nasenbrille mit dem Sauerstoffschlauch und an Atemgeräuschen, die an eine uralte, verkalkte Bürokaffeemaschine erinnern. Keine schöne Geschichte, das wünscht man seinem ärgsten Feind nicht, denn es ist im Grunde ein langsames Ersticken auf Raten.
Wikipedia sagt: "Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (englisch chronic obstructive pulmonary disease) [...] ist ein Krankheitsbild der Lunge mit einer dauerhaften Verengung der Atemwege, die insbesondere die Ausatmung erschwert (Atemwegsobstruktion). Die Verengung entsteht durch eine Entzündung der kleinen Atemwege (obstruktive Bronchiolitis), wodurch es zu Schleimproduktion und einer Zerstörung des Lungengewebes (Lungenemphysem) kommt, was dazu führt, dass die Atemwege bei der Ausatmung zusammenfallen." [**]
Ich habe COPD und das ist nicht lustig. Als ich 14 war, bin ich an einem Asthmaanfall erstickt und reanimiert worden. Damals sagte der Lungenfacharzt zu meiner Mutter: "Ihr Junge wird keine 30 Jahre alt." Soviel zu den Experten. Ich bin immer noch da. In früheren Jahren habe ich Haschisch geraucht, immer pur durch die Wasserpfeife. Wenn ich so richtig schön high war, bemerkte ich, dass ich viel besser atmen konnte. Sogar intensives Mountainbiking war möglich. Da war ich so ca. 30 Jahre alt und das Asthma schränkte mich nicht allzusehr ein.
Als meine Kinder kamen, habe ich aufgehört zu konsumieren. Schlagartig verschlechterte sich nach der Jahrtausendwende mein Gesundheitszustand. In den letzten 20 Jahren wurde es rapide schlechter. Keine Nacht durchschlafen, alle zwei Stunden aufwachen und wie von der Tarantel gestochen aufsetzen, weil irgendetwas, gefühlt von der Größe eines Tennisballs, in den Bronchien herumschlotzt. Dann der Hustenreiz. Ich weiß nicht, ob jemand, der das hier liest, weiß, wie es sich anfühlt, wenn du so stark und lange hustest, dass du Bauchfellkrämpfe bekommst, die dir die Tränen in die Augen treiben (und ich bin weiß Gott kein weinerlicher Typ). Der Rotz mit der Konstistenz von Sanitärsilikon und der Farbe von Vanillepudding mit Pistazieneinlage scheppert durch die oberen Atemwege und zerreißt gefühlt alles zwischen Zwerchfell und Kehlkopf. Jede Nacht. Jede verdammte Nacht alle zwei Stunden, kannst die Uhr nach stellen.
Natürlich bekam ich vom Arzt Medikamente, jede Menge Pillen. Wer diese Erkrankung kennt, der weiß, was die Pillen und Inhalatoren machen, genau: die machen Puls. Und zwar richtig. Das ist in Bezug auf Schlaf auch nicht unbedingt förderlich. Ich hatte mich damit abgefunden, dass mich irgendwann bald entweder ein Lungenemphysem oder ein Herzinfarkt dahinrafft. 2018 dann kam es im Zuge der ständigen Lungenentzündung zu einem Pneumothorax und die linke Lunge kollabierte, Nierenversagen drohte aufgrund der massiven bakteriellen Belastung. Notoperation mitten in der Nacht, Lunge gekärchert und wieder aufgeblasen, gerade nochmal so geschafft. Ich bin ein zäher Hund.
Das war der Moment, in dem ich begann, die Dinge anders zu denken. Ich erinnerte mich an bessere Zeiten, an die Zeiten, in denen mir THC eine merkliche Erleichterung verschaffte. Ich rannte also zu gefühlt hundert Ärzten, um mir Cannabis verschreiben zu lassen. Wer versucht(e), als Cannabispatient anerkannt zu werden, der kennt diesen Spießrutenlauf und die verächtlichen Blicke von Ärzten, die einen für bescheuert halten. Auch die Krankenkasse dachte, ich will sie verarschen. Klar, leicht gesagt, wenn man nicht nach drei Treppenstufen nach Luft japsend stehenbleiben muss. Genervt fraß ich also weiter meine Pillen, bis es im Kopf klick machte. Ich habe doch schließlich Haus und Garten, wieso soll ich meine Arznei eigentlich nicht selber anbauen? Und, wie heißt es so schön?
Ich begann also, Cannabis und diverse andere Heilkkräuter anzubauen, allesamt mit Heilanzeigen bei Lungenproblemen, also auch Huflattich, Spitzwegerich, Lungenkraut, Ephedrinkraut und so weiter, und so fort. Mein Problem allerdings war, dass ich wegen der Lunge, die nunmehr noch auf ca. 30% lief, die Kräuter nicht rauchen oder verräuchern konnte und Kräutertee mit Cannabis und Co. kann ganz schön bitter schmecken. Also habe ich meine Kräutermischungen für den oralen Konsum vorbereitet. Ich habe die Mischungen im Blender zu Pulver gemahlen und dann in 00-Befüllkapseln gegeben. Wie das geht, steht hier bei Fourtwety.wtf in einem gesonderten Artikel [***].
Hier die Zusammensetzung:
Diese Kapseln mit je 0,3g Inhalt nehme ich am Abend ein (1-2 Stück). Zusätzlich benutze ich einen Vaporizer, mit dem ich ca. 0,5 g Cannabisblüten bei 180 °C verdampfe. Die Vapingreste konsumiere ich auch in Kapseln oral.
Nun passiert folgendes, was nach Aussage von "Experten" ja nicht möglich sein sollte. Die magenlöslichen Pillen brauchen etwa eine Stunde, bis die Wirkung einsetzt. Das Vapen zeigt sofort Wirkung. Bereits nach dem ersten Zug spüre ich, wie die verkrampften Bronchien sich entspannen. Schon der zweite Zug geht tief in die Lunge, ohne dass es schmerzt. Die gesamte Atemhilfsmuskulatur wird entlastet und entspannt sich. Fünf Züge pro Vapingkapsel, das Ganze zwei- bis dreimal, dann kann ich mindestens doppelt so tief atmen wie zuvor. Die Sauerstoffsättigung erhöht sich merklich und steigt auf über 90%.
Wenn die Pillen wirken, wird es nochmal kurz unangenehm, dann nämlich fliegt alles, was keine Miete zahlt, raus. Es lösen sich die tief sitzenden Schleimpfropfen in den feinen Verästelungen der Bronchien und werden nach oben transportiert. Asthmatiker kennen das, wenn der "rolling Thunder", also ein grummelnder, räuspernder Husten den Rotz nach oben arbeitet. Dann nochmal langsam tief Luft holen und die Brocken samt und sonders vor die Tür setzen. Das ist der Moment der totalen Entspannung. Gesunde Menschen können sich nicht vorstellen, was das bedeutet.
Als COPD-Patient huste ich (geschätzt) fünfhundert Mal am Tag, meist mit aktiver muskulärer Unterstützung, um genug Druck aufzubauen. Das ist anstrengend. Wenn nun plötzlich die Atemwege frei sind und sich der gesamte Oberkörper entspannt, dann ist das - sorry, Ladies - besser als Sex.
Nun geht es vom Spurt in den Marathon. Ambitionierte Cannabisnutzer kennen das, die Pappmaul-Attacke. Dahinter steckt die sekretionshemmende Eigenschaft des THC. Die Drüsen verringern die Sekretbildung massiv. Also: Nach dem Kiffen lieber keine trockenen Cracker naschen! Was den Freizeitkonsumenten nervt, ist dem COPDisten eine Erlösung. Die Lunge fällt trocken. Kein Rascheln, Blubbern, Hiemen und Pfeifen mehr bei jedem Atemzug. Stille. Sanftes Ein- und Ausatmen im angenehmen Rhythmus, keine Ausatempanik, zurücklehnen, durchatmen. Und dann zu Bett. Herrlich, die Aussicht, bis zum nächsten Morgen einfach durchschlafen. Das hatte ich mehr als zwanzig Jahre nicht.
Cannabis wirkt. Oral konsumiert und in geringen Mengen verdampft und inhaliert, bringen die Cannabinoide für das Lungensystem eine enorme Erleichterung, ohne das Herz- Kreislaufsystem zu belasten wie z.B. Asthmamedikamente wie Theophyllin oder Salbutamol es tun. Wer mir etwas anderes erzählen möchte, der darf sich gern intensiv meinen ausgestreckten Mittelfinger betrachten. Seit ich Cannabis als unterstützende Therapie nutze, hat sich mein Medikamentenkonsum um gut ein Drittel reduziert. Mehr geht nicht, da ich tagsüber für die Arbeit nüchtern sein muss. Ich würde ja gern den "Experten" aus dem Bereich Verkehrswesen noch erläutern, dass man in der Toleranz auch mit 30ng und mehr im Blut noch nüchtern ist, aber das wollen die auch nicht hören. Ein entspannter Nebeneffekt ist, dass das oral konsumierte Cannabis ja vorwiegend THCA enthält und von daher nur eine äußerst geringe Rauschwirkung entfaltet.
Ich würde mir für die Zukunft wünschen, dass die sogenannten Experten sich auch mal ernsthaft mit den Belangen und Erfahrungen von Patienten befassen, aber das ist natürlich nur eine fromme Hoffnung. Ich will auch nicht so weit gehen, zu behaupten, dass meine Vorgehensweise jedem Lungenkranken helfen kann, ich bin kein Arzt.
Was ich aber sagen kann, ist: Mir hat es geholfen. Und wer heilt, hat Recht.

[*] Cannabis in der medizinischen Anwendung: https://fourtwenty.wtf/index.php/beitraege/rauschmittel/cannabisverwendung/medizinischer-einsatz-von-cannabis
[**] Quelle, gesehen am 17.01.2026 um 21:00h: https://de.wikipedia.org/wiki/Chronisch_obstruktive_Lungenerkrankung
[***] Cannabis in Pillenform: https://fourtwenty.wtf/index.php/beitraege/rauschmittel/cannabisverwendung/cannabis-in-pillenform