Am 26.06. gibt es den Aktionstag gegen Drogenmissbrauch" und am 21.07. jährt sich der Gedenktag der verstorbenen Substanzkonsumentinnen und -konsumenten, die in den meisten Fällen unter völlig unwürdigen Umständen ihr Leben lassen. Zeit für Veränderung!

Allein diese Bezeichnung hat schon ein *plonk* verdient. Wer denkt sich solchen Unsinn aus? Werden Leute für diesen Scheiß bezahlt? Was für Drogen muss man nehmen, um solche Etiketten gut zu finden?
Jetzt mal "Butter bei die Fische". Eine Welt ohne Drogen wird es niemals geben. Hat es auch noch nie gegeben. Ja, auch die "Zigarette danach" und das "taktische Bierchen" sind Rauschmittel, auf die nur wenige leichten Herzens verzichten.
Aber dieser markierte Tag weist in seiner Bezeichnung schon auf die Grundproblematik hin, nämlich in dem unscheinbaren Wörtchen "unerlaubt". Genau da liegt nämlich das Problem, in der Prohibition - und natürlich in der Weigerung von Regierungen, auf die Probleme schädlichen Konsums fachlich adäquat zu reagieren. Nein, Herr "Bundesdrogenbeauftragter", Verbote sind noch nie geeignet gewesen, das Verhalten von Menschen zu verändern, die sich in einer psychischen Sonderlage befinden.
Richtig ist: Wir müssen als Gesellschaft ambitioniert daran arbeiten, dass schadhafter Rauschmittelkonsum verringert wird.
Falsch ist: Wir müssen Konsum verbieten und bestrafen, damit die Welt drogenfrei wird (fun fact: wird sie eh nicht).
Folgerung: Entstigmatisierung des Konsums und die Bereitstellung legaler, kontrollierter Bezugsmöglichkeiten sind erforderlich.
Man weiß ja nicht genau, wie viele Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft leistungssteigernde Substanzen konsumieren und sich damit selbst schädigen oder wie viele Menschen versuchen, ihre Sorgen in Alkohol zu ertränken, bis sie merken: Die können ja schwimmen. Es ist an der Zeit, mit Fakten das Problem anzugehen und nicht mit verblendeter Ideologie.
An diesem Tag gedenken wir der Opfer von schadhaftem Konsum und Prohibition. Noch immer sterben jedes Jahr in Deutschland Menschen daran, dass sie versuchen, durch Substanzkonsum ihrer subjektiv als bedrückend wahrgenommenen Welt zu entfliehen. Doch statt die Welt für alle Menschen lebenswerter zu machen, übertreffen sich politische Entscheidungsträger darin, diesen Menschen das Leben noch schwerer zu machen, als es ohnehin schon ist.
Wir brauchen keine erhobenen Zeigefinger, keine übergriffige Exekutive und keine Judikative, die nicht versteht, dass Bestrafung mehr Schaden anrichtet als verhindert. Menschen mit schadhaften Konsumgewohnheiten einzusperren, ist nutzlos, denn in Vollzugseinrichtungen ist die Versorgung mit Rauschmitteln nicht "schlechter" als draußen.
Was wir brauchen, ist Empathie. Diese, und den echten Willen, zuzuhören und problembehaftete Menschen als Teil unserer Gesellschaft zu sehen, nicht sie als quasi Ausgestoßene an den Rand zu drängen. Wir alle als Gesellschaft müssen verstehen, dass der Konsum von Substanzen schon immer da war und immer da sein wird, völlig egal, welche Gesetzeslage herrscht. Wäre es anders, gäbe es wohl in Ländern, die für Substanzkonsum die Todesstrafe verhängen, keine Konsumierenden.
Auch bei legalen Rauschmitteln (z.B. Alkohol, Medikamente) müssen wir neue Wege gehen, denn es gibt keine "guten" und "bösen" Substanzen. Das Ziel einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaftsform muss die Verhinderung oder wenigstens Verminderung schadhaften Konsums sein mit einem größtmöglichen Maß an Hilfe für jene, die sich aus dem Konsumzwang nicht selbst befreien können.
Fakten:
Prohibition verhindert kein Kosumverhalten
Prohibition schafft über Reaktanz Konsumanreiz
Prohibition ermöglicht illegalen Handel & Schwarzmarkt
Prohibition fördert die Finanzierung organisierter Kriminalität
Folgerungen:
Legalisierung und Regulierung schaffen Rechtssicherheit
Legalisierung verbessert Harm Reduction bei Nutzer*innen
Legalisierung vereinfacht Aufklärung, Beratung und Intervention
Legalisierung und Kommerzialisierung helfen, Folgekosten aufzufangen
Forderungen:
Legalisierung des Besitzes und Konsums von Rauschmitteln
Rauschmittel raus aus dem Supermarkt, Fachgeschäfte einrichten
Absolutes Werbeverbot für Rauschmittel im öffentlichen Raum
Schaffung eines sinnvollen Rauschmittelgesetzes statt BtMG
Neuverhandlung von RB 2004/757JI & UN Single Convention
Unsere Gesellschaft ist erst dann menschenwürdig und im Wortsinne sozial, wenn niemand mehr an den Folgen von Substanzkonsum stirbt. Dafür sollten wir alle einstehen.